Frauenförderung an der OTH Regensburg

Als Prof. Dr. Christine Süß-Gebhard 1992 an die OTH Regensburg kam, war sie die erste Frau an einer MINT-Fakultät. Seitdem hat sich in Bezug auf Frauenförderung vieles an der Hochschule gewandelt.

Jubiläumsgeschichte Frauenförderung
Foto: OTH Regensburg/Florian Hammerich

Prof. Dr. Christine Süß-Gebhard erinnert sich daran, dass es noch lange gedauert hat, bis an alle Fakultäten der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) zumindest eine Professorin berufen worden war. Als technisch ausgerichtete Hochschule ist es für die OTH Regensburg eine herausfordernde Aufgabe, Frauen auf allen Qualifikationsebenen in die Hörsäle zu bekommen. Darum ist das Thema Frauenförderung fest im Hochschulprofil verankert und inzwischen zu einem strategischen Handlungsfeld geworden.

Seit 2009 setzt sich Prof. Dr. Süß-Gebhard als Frauenbeauftragte der OTH Regensburg für Gleichstellung und Diversität ein und war von allen Frauenbeauftragten an bayerischen Hochschulen und Universitäten 2012 die erste, die als beratendes Mitglied in die Hochschulleitung berufen wurde. Die steigende Bedeutung des Themas sei auch daran sichtbar, dass das Ministerium die Gelder massiv erhöht habe. „Früher waren rund 3000 D-Mark pro Jahr im Haushalt eingeplant, heute ist es aus verschiedenen Töpfen des Ministeriums fast zweihundertmal so viel“, berichtet Prof. Dr. Süß-Gebhard.

Breites Angebot zur Förderung junger Frauen

Um Mädchen bereits früh für technische Themen zu begeistern, mit dem Vorurteil aufzuräumen Technik sei nur etwas für Männer und somit auch den Frauenanteil in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) zu erhöhen, organisiert die Junge Hochschule der OTH Regensburg bereits seit vielen Jahren eine Reihe von Aktivitäten, wie den Girls‘ Day, Girls4tech, das Forscherinnencamp und die MINT-Girls Regensburg.

Aber auch während des Studiums bietet die Hochschule verschiedene Hilfestellungen an, beispielsweise in Form der Mentoring-Programme „first steps“ und „professional steps“. Diese haben das Ziel, die persönliche und berufliche Entwicklung von Studentinnen im MINT-Bereich zu fördern, zu unterstützen und zu begleiten. In Kooperation mit der Universität wurde 2018 zudem das fakultäts- und hochschulübergreifendes Netzwerk RegensburgEXZELLENZ gegründet, um junge Frauen auf leitende Positionen in Wirtschaft, Wissenschaft und anderen beruflichen Feldern vorzubereiten. „Man merkt inzwischen in allen Bereichen Fortschritte. Die Zahlen werden überall besser“, sagt Sabine Hoffmann, die als Referentin für Gender und Diversity Management seit zehn Jahren unter anderem für die Mentoring-Programme zuständig ist.

Auszeichnung für Diversity-Aktivitäten

Diversity-Audit 2019
Foto: Peter Himsel/Stifterverband

Im Jahr 2018 wurde die OTH Regensburg zum dritten Mal mit dem Total E-Quality Prädikat für ihr Engagement für die Chancengleichheit und zum ersten Mal für ihre Diversity-Aktivitäten ausgezeichnet. Die Mühe, die an der OTH Regensburg in die Frauenförderung gesteckt wird, zahlt sich also langsam aber sicher aus: Während der Frauenanteil an der Professorenschaft im Jahr 2002 mit insgesamt acht Professorinnen noch bei 5 Prozent lag, lehren und forschen heute 47 Professorinnen an der Hochschule. Das entspricht einem Anteil von 20 Prozent. Prof. Dr. Süß-Gebhard hat mit ihrem großen Engagement und viel Ausdauer entscheidend zu diesem Erfolg beigetragen.

Seit Oktober 2011 ist sie zudem Sprecherin der Landeskonferenz der Frauenbeauftragten an bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften (LaKoF Bayern/HAW) und setzt sich in dieser Position bayernweit dafür ein, Frauen effektiv und nachhaltig auf ihrem Weg in eine akademische Laufbahn zu unterstützen. Neben den Förderprogrammen Bayern Mentoring, Promotionsstipendien und dem Qualifizierungsprogramm "rein-in-die-hörsäle", wurde Anfang 2021 die bayernweite Kampagne "Werde Professorin" gestartet, die Frauen ermutigen soll den Beruf der Professorin zu ergreifen.

„Seit 30 Jahren gibt es Frauenbeauftragte. Ich hoffe, dass wir in weiteren 30 Jahren keine mehr brauchen“, sagt Prof. Dr. Süß-Gebhard mit Blick in die Zukunft.

  • Diese Geschichte ist Teil unseres Jubiläumsmagazins, das im Sommersemester 2021 erscheinen wird.